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Die ersten Jahre

Der Fußball in Deutschland ab 1900

Der Fußball kam 1873 von den Britischen Inseln nach Deutschland, stand als Wettkampfsport aber zunächst im krassen Gegensatz zu der damaligen Sportausübung in Turn- und Sportvereinen, unter der in erster Linie Turnübungen in Gruppen verstanden wurden, die eher ein Privileg höherer gesellschaftlicher Kreise waren. Daher war der Fußball - auch schon mal als „Englische Krankheit“ bezeichnet - und seine Ausübung in Vereinen anfangs fast überall verboten.

Trotzdem verbreitete er sich schnell und es kam früh zu Gründungen von regionalen Fußballverbänden wie dem Deutschen Fußball- und Cricket Bund mit Sitz in Berlin. Dort wurden bereits von 1891 bis 1902 erste (inoffizielle) Deutsche Meister im Fußball ermittelt, mit dem Berliner TuFC Viktoria 1889 als Seriensieger.

So richtig startete der organisierte Fußball in Deutschland aber mit der Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) am 28. Januar 1900. Dem schlossen sich nach und nach auch die in der Zwischenzeit gebildeten regionalen Verbände (z.B. Süddeutsche Fußball-Union) an, mit deutschen Meisterschaften (ab 1903) und den ersten Länderspielen (ab 1908). Der 1. Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung zwangsweise, wobei der DFB selbst in diesen schweren Jahren weiter an der Begeisterung für den Fußball arbeitete. So versorgte er beispielsweise militärische Einheiten verstärkt mit Bällen, auch um den Soldaten die Möglichkeit für ein wenig Entspannung zu bieten.

Die Gründung des SVC

Nach Kriegsende war Neuanfang angesagt und das nicht nur im Fußball. Und in Camberg fanden sich junge Männer, die ohne Vereinsbindung einfach nur kickten und das durchaus mal mit Beteiligung der Polizei, die einschreiten musste, um die "wilde Balltreterei der fußballbegeisterten Camberger zu stoppen". Aber am 19. März 1921 war es dann soweit:  Die Camberger Fußballer schlossen sich als selbstständige Abteilung der Turngemeinde Camberg zu einem Verein zusammen und wurden Mitglied im Süddeutschen Fußball-Verband. Dagegen war die Turngemeinde Mitglied in der Deutschen Turnerschaft (DT), dem Dachverband der bürgerlichen Turnvereine in Deutschland. Ein Umstand der drei Jahre später Bedeutung bekommen sollte. 

HGG192149 1Für den neuen Verein VorstandSVC1921 1  ging es unter der Führung des 1. Vorsitzenden Norbert Baum  (später Willi Rumpf, 1924/25 Jakob Biegel) erst einmal darum, sich zu organisieren und Mannschaften für einen regulären Spielbetrieb aufzubauen. Was die Anzahl der Spieler anging, so war das anscheinend kein großes Problem, denn für vermutlich eine der ersten Begegnungen (24. April 1921) überhaupt, waren gleich zwei Teams am Start und "An der Kreuzkapelle wird ein interessiertes Publikum auf schöne und hartnäckige Spiele rechnen dürfen". Die Ergebnisse sind nicht überliefert, aber es dürfte sich um das erste Derby gegen den ein Jahr zuvor gegründeten RSV Würges gehandelt haben.

1921Spieler1921Ansonsten war neben dem Fußballspielen jede Menge Initiative und Einsatz gefragt. Sei es die Finanzierung der eigenen Ausrüstung, das Schleppen der Torstangen zum ersten provisorischen Spielfeld unterhalb der Kreuzkapelle und schon mal ein Fußmarsch zu einer Auswärtsbegegnung in die nähere Umgebung, etwa nach Heftrich oder Dauborn. Das man nach heißen Auseinandersetzungen am Sonntagnachmittag auch mal erst montags oder dienstags zurückkehrte, sei nur am Rande erwähnt. 1922 gelang es dem Vorstand das Gelände der heutigen Tennisplätze im Kurpark zu erwerben und als Spielfeld herzurichten. Das erste Spiel dort gegen Dauborn ging mit 0:11 verloren. Ein weiterer Ausbau mit Terrassen und Bänken an der oberen Seite, wurde am Sonntag, den 22. April u.a. mit einem "Propagandaspiel" gegen den Sp.V. Idstein gefeiert.

 Die "Reinliche Scheidung"

Die Teilnahme an Meisterschaften der Sportverbände (z.B. DFB) machte eine Mitgliedschaft der Spieleabteilungen (Handball, Fußball, ...) von Turnvereinen dort notwendig, die selbst aber Mitglied in der Deutschen Turnerschaft  waren. In einem Kompromiss vom Februar 1921 wurde von der Deutschen Turnerschaft eine Doppelmitgliedschaft zugelassen, nach massiven Mitgliederverlusten im April 1922 aber schnell widerrufen. Und am 1. September 1923 verkündete die Turnerschaft einseitig die „reinliche Scheidung“ zwischen Turnen und Sport. Bis zum 1. November mussten sich die Spielabteilungen der Turner zwischen dem Sportverband oder der Turnerschaft entscheiden. Diese ausschließliche Mitgliedschaft in nur  einem Verband, führte in den 20er Jahren zu einigen parallel veranstalteten Wettbewerben im Fußball, mit weiteren deutschen Meisterschaften auch außerhalb des DFB:HGG192414 16

  • Deutscher Meister des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATSB):1920–1932
  • Deutscher Meister der Deutschen Jugendkraft  (DJK): 1921–1932
  • Deutscher Meister der Deutschen Turnerschaft (DT): 1925–1930

Erst 1930 wurde dieser Konflikt endgültig beigelegt und die Deutsche Turnerschaft veranstaltete keine eigenen Meisterschaften im Fußball (und in der Leichtathletik) mehr.

Diese sportpolitischen Beschlüsse auf höchster Ebene hatten auch ihre Auswirkungen auf den Fußball in Camberg. Die Fußballabteilung als selbstständiges Mitglied im Süddeutschen Fußball-Verband musste sich entscheiden, wenn man weiterhin an Meisterschaften des DFB teilnehmen wollte und eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Deutschen Turnerschaft ab Ende 1923 nicht mehr möglich war. So kam es, ungeachtet der bis dahin guten Zusammenarbeit, zu der Trennung und dem Bedauern darüber, dass Deutsche Turnerschaft und deutsche Sportbehörde "sich kein Beispiel nahmen an dem guten Zusammenarbeiten". Wie es mit den beiden Vereinen ohne Trennung weitergegangen wäre, wird man nie erfahren.  

Briefkopf1925

Tabellen23 240ArchivTVIdstein

Die sportlichen Anfangsjahre

Und der Fußball entwickelte sich beim SVC, wobei er im Fußballverband zu dieser Zeit als FSV 1920 Camberg-Nassau geführt wurde, was in Bezug auf das Gründungsjahr wohl nicht so ganz korrekt war. Es dauerte etwas mit den ersten Erfolgen, aber man arbeitete sich aus der C-Klasse langsam nach oben und erreichte 1924/25 im Bezirk Rheinhessen-Saar, Gau Nordrhein als Sieger der Gruppe Idstein/Camberg sogar den Aufstieg in die A-Klasse. 1945/25 - Aufstieg A Klasse Die Meisterschaft wurde allerdings verpasst, da man zum Entscheidungsspiel gegen den TuSV1882 Raunheim nicht antrat. Dem Aufschwung folgte in der Saison darauf mit dem Abstieg als Tabellenletzter wieder der Abschwung - irgendwie kommt einem das bekannt vor - und der Verein machte nach der Abwanderung vieler Spieler eine schwere Krise durch. Zu Beginn der Saison 1928/29 zog man die Mannschaft in der B-Klasse gleich ganz zurück, um im Jahr darauf aber wieder anzutreten.  1925 26 Abstieg A Klasse

Abseits des regulären Spielbetriebs stellten sich in dieser Zeit überraschend namhafte Gegner in Camberg vor. Im Juni 1924 war das Mainz 05 (Ergebnis nicht überliefert) und zu Weihnachten 1925 gab es gleich zwei Spiele gegen den 1. FC Nürnberg. In der ersten Begegnung unterlag man 0:5, um einen Tag später mit einem durch 6 Spieler aus Idstein verstärkten Team 3:2 zu triumphieren. Nach Augenzeugenberichten sollen die Spieler aus der Noris am Vorabend allerdings in bester Stimmung gewesen sein. Vermutlich lag es aber nur an dem ungewöhnlich heftigen Schneefall am Vormittag, der das "raffinierte Spiel und Kombinationen" des Gastes nicht zur Geltung kommen ließ. Und selbst Eintracht Frankfurt gastierte Pfingsten 1926 in Camberg und kam "nur" zu einem 5:3-Erfolg. Bei der Frage, wie solche Gastspiele möglich waren, spricht der Hausfreund für den Goldenen Grund (mit Bezug auf einen Bericht aus der Idsteiner Zeitung) anlässlich der Nürnberg-Spiele "vom Verdienst einiger finanzkräftiger Turner Cambergs" (HfGG(1925)2). Man sieht, auch damals waren Sponsoren wichtig.

PipbergerSVC1925Und die "Begeisterung" für den Fußball war selbst bei den Bürgern so groß, dass der Vorstand den Magistrat der Stadt Camberg an eine Verordnung erinnern musste, nach der auch die Wege am Sportplatz, die bei Spielen am Sonntagnachmittag wohl stark besucht wurden, eintrittspflichtig sind. Die Antwort von Bürgermeister Johannes Pipberger kam prompt und bestätigte dieses Recht des SVC ausdrücklich.

Die 30er-Jahre begannen mit Schwierigkeiten, was die Spielstätte angeht. Die Kurverwaltung benötigte ab 1930 den bisher genutzten Platz und der Verein musste auf eirı Provisorium unterhalb des Waldschlosses ausweichen. Erst 1933 konnte von der Kirchengemeinde ein neues Gelände übernommen werden, auf dem sich heute der Reitplatz befindet. 

Fußball in den 30erJahren

Über den Fußball in Camberg in den Jahren bis zum 2. Weltkrieg - und danach hatte man eher andere Sorgen - ist nur wenig überliefert, zumindest was den sportlichen Aspekt angeht. Ganz neutral ließe sich vielleicht sagen, dass hier mit wechselnden Erfolgen gekämpft wurde.

...

Aber die unseligen politischen Entwicklungen dieser Jahre haben natürlich auch ihre Spuren beim SVC hinterlassen. Ein Blick auf den Spielerpass von Georg Hartmann - der uns freundlicherweise von der Familie zur Verfügung gestellt wurde - zeigt, dass im Zuge der Gleichschaltung auch der Sportverbände, der Verein und jeder Spieler zwangsweise Mitglied im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (D.R.L) war. Georg Hartmann spielte beim SVC nicht nur viele Jahre Fußball, sondern war nach dem Zusammenbruch maßgeblich am schnellen Wiederaufbau des Vereins beteiligt. Ein weiteres interessantes Detail zeigt sich im Vereinsstempel, nach dem der SVC vor dem Krieg die Vereinsfarben „Grün-Weiß“ hatte und erst danach zu dem heutigen „Blau-Weiß“ wechselte.

Gleichschaltung1936 1Was die Gleichschaltung angeht, so lässt sich schon mal sagen,  dass der SVC da eine gewisse "Widerborstigkeit" gegenüber der ministeriellen Anordnung zur Pflichtzugehörigkeit im D.R.L. und der Annahme der Einheitssatzung zeigte. So ließ man das entsprechende Schreiben im April 1936 zunächst einmal unbeantwortet. Erst der Hinweis, dass selbst eine vorherige Selbstauflösung ungesetzlich sei und die Androhung der amtlichen Auflösung des Vereins sowie die polizeiliche Beschlagnahme des Vereinsvermögens unter Fristsetzung, beschleunigte nachvollziehbarerweise die Antragstellung deutlich, so das der D.R.L. die Angelegenheit wenige Tage später als erledigt betrachtete.

 

 

1921 - 2:1 gegen Idstein
1922
1930

1921 - 1. Spiel
1922 - Derby
1922 - Ergebnisse
1922 - Jugend
1922 - Walsdorf
1923 - (Neu-)Einweihung
1923 - Nürnberg
1923/24 - B-Klasse
1924 - Die Trennung
1924 - Mainz 05
1924 - Saisonschluss
1925 - Pipberger
1936 - D.R.L.
1936 - Georg Hartmann

 

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